S4.7 Lärmschutz

Unterschiedliche Quellen belasten das Siedlungsgebiet des Kantons Basel-Stadt mit Lärm. Hauptquelle stellt dabei der motorisierte Individualverkehr dar. Weitere wichtige Verursacher sind Anlagen aus Industrie und Gewerbe sowie der Schienen- und Flugverkehr. Durch zunehmende Aktivitäten im öffentlichen Raum ergeben sich zudem, vor allem im Sommer, Konflikte zwischen Freizeitverhalten und Wohnnutzung. Die Lärmbelastung führt zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität der Bevölkerung und zu eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten für das Siedlungsgebiet.

Es dürfen neue Bauzonen für Wohnnutzungen ausgeschieden sowie noch nicht erschlossene Bauzonen überbaut werden, wenn die Planungswerte eingehalten werden. Neue Gebäude innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes sind bei einer Vorbelastung über dem Immissionsgrenzwert (IGW) durch bauliche und planerische Massnahmen zu schützen.

Während der Schutz vor Strassen- und Schienenlärm durch die Anordnung unterschiedlich empfindlicher Nutzungen erreicht werden kann, stellen Flug- und Industrielärm zum Teil ein Hindernis zur Schaffung von neuen Siedlungsgebieten dar.

Für alle Lärmarten gilt, dass eine Überschreitung des IGW zu einem Sanierungsbedarf führt. Gemäss Verursacherprinzip hat der Verursacher für die Kosten der Sanierung aufzukommen. Im Bereich des Strassenverkehrslärms hat der Bundesrat eine Sanierungsfrist bis zum Jahre 2015 für Nationalstrassen und 2018 für die übrigen Strassen festgesetzt. Der Kanton Basel- Stadt ist daher gefordert, diese Sanierungspflicht zu erfüllen.

Sanierungen sollen primär durch Massnahmen an der Quelle geschehen. In zweiter Priorität sollen Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg realisiert werden; erst wenn diese nicht möglich sind, sind Massnahmen am Gebäude (Schallschutzfenster) zu ergreifen. Die Planung erfolgt aufgrund des Lärmbelastungskatasters, welcher von den Kantonen geführt wird. Im Bereich des Strassenverkehrs können sowohl Massnahmen zur Beschränkung der Verkehrsmenge – unter Erwägung von ökonomischen Instrumenten wie Roadpricing, Fahrtenmodell und emissionsabhängigen Fahrzeugabgaben – als auch Tempobegrenzungen sowie die Wahl geeigneter Strassenbeläge die Emissionen von der Quelle verringern.

Neue Nutzungen dürfen nicht zu einer wahrnehmbaren Erhöhung der Lärmbelastung führen. Standorte für Nutzungen mit grosser Verkehrserzeugung sollten daher auf die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen und dem Fuss- und Veloverkehr ausgerichtet sein; die Anzahl der MIVFahrten wird soweit möglich und notwendig beschränkt.

Die Vollzugskompetenz liegt nicht für alle Lärmarten beim Kanton. Flug- sowie Bahnlärm sind Bundessache.

Im dichten Siedlungsgebiet ergeben sich – sei es durch die Nutzung des Aussenraums (Privat, Allmend), sei es durch Gastronomie und Kulturveranstaltungen – Konflikte mit lärmempfindlichen Nutzungen. Obwohl durch die Gesetzgebung dafür keine Grenzwerte vorgegeben sind, muss dem Lärmschutz genügend Rechnung getragen werden. Lärmschutzmassnahmen können direkt auf das Umweltschutzgesetz des Bundes abgestützt werden. Wenn sich Standorte hinsichtlich der nutzungsplanerischen Grundlagen (Zonenplan, Lärmempfindlichkeitsstufenplan) in ihrer Schutzwürdigkeit nicht unterscheiden, können Richtplanaussagen zur Abstimmung der Interessen von Nutzen sein.
 

Fluglärm

Im Kanton Basel-Stadt sollen auch in Zukunft Planungswertüberschreitungen aus dem Fluglärm vermieden werden. Der Kanton soll dazu auf die Betriebsregeln des EuroAirport (EAP) entsprechenden Einfluss nehmen. Zur Überprüfung der Lärmbelastung aus dem Flugverkehr muss der Bund in regelmässigen Abständen einen aktuellen Fluglärmkataster zur Verfügung stellen.

Strategie / ST
5 und 11

Leitsätze
9, 10, 16, 21, 22, 42, 46 und 48

nach oben

Planungsgrundsätze / Planungsanweisungen

  1. Um die Lärmbelastung der Bevölkerung zu vermindern, sind primär Massnahmen an der Quelle zu treffen. Durch planerische und ökonomische Instrumente ist eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs anzustreben. Insbesondere sollen verkehrsintensive Anlagen mehrheitlich durch den öffentlichen Verkehr erreicht werden.
  2. Bei Verkehrsträgern, die in Gelände-Einschnitten verlaufen, sowie bei Nationalstrassen wird die Möglichkeit einer Überdeckung geprüft. Der Kanton vertritt dies auch gegenüber dem Bund.
  3. An Lagen mit IGW-Überschreitungen aus dem Strassenverkehr wird durch den Kanton eine finanzielle Beteiligung an den Einbau von Schallschutzfenstern geleistet. An stark exponierten Lagen ohne Möglichkeit zur nachhaltigen Sanierung, insbesondere entlang der Hochleistungsstrassen, soll die Umnutzung in weniger lärmempfindliche Nutzungen geprüft werden.
  4. Der Kanton Basel-Stadt wirkt auf die Betriebsregeln des EuroAirport dahingehend ein, dass Planungswertüberschreitungen aus dem Fluglärm vermieden werden können.
  5. Lärmintensives Gewerbe soll in geeigneten Gebieten einen Standort finden.
  6. Kulturelle Interessen sollen in Abwägung mit dem Schutz der Bevölkerung vor Lärm auch in zentrumsnahen Lagen Platz finden; die Regelung erfolgt via Nutzungsplanung und Allmendgesetzgebung.

nach oben

Örtliche Festlegungen (in Richtplankarte)  Koordinationsstand
a) Lärmschutz Osttangente Zwischenergebnis
b) Überdeckung Elsässerbahn Vororientierung

Massnahmen / Details

Nationalstrassen
Im Bereich Wiesekreisel bis Gellertdreieck und in Richtung Hagnau zeichnen sich zunehmend kritische Verhältnisse wegen Überlastung und ungünstiger Anordnung der Ein- und Ausfahrtsspuren ab, welche zu gefährlichen und leistungssenkenden Spurwechseln führen.
Derzeit werden Lösungskonzepte zur Verbesserung der Situation erarbeitet. Insbesondere werden tiefliegende Linienführungen untersucht, welche die heutige Trennwirkung abschwächen sowie die Lärm- und die Luftbelastung in den angrenzenden Quartieren senken sollen. Je nach gewähltem Lösungsansatz sollen die an der Oberfläche verbleibenden Teile der A2 im Bereich Gellert und im Bereich Breite überdeckt bzw. eingehaust werden, um die umliegenden, stark belasteten Wohngebiete und das Bethesda-Spital vor dem Verkehrslärm und der Luftbelastung zu schützen. Gleichzeitig kann die städtebaulich unerwünschte Trennwirkung reduziert werden. An den weiteren Streckenteilen der Nationalstrasse sind Sanierungen mittels der Errichtung von Lärmschutzwänden und dem Einbau von Schallschutzfenstern geplant.

Übrige Strassen
Sind aus verkehrstechnischen oder städtebildlichen Gründen Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg nicht möglich, soll durch einen finanziellen Beitrag des Kantons der flächendeckende Einbau von Schallschutzfenstern an Lagen mit Grenzwertüberschreitungen ermöglicht werden. Seit 2004 leistet der Kanton einen Beitrag von 50% ab einer Belastung von 67 dBA am Tag.

Begleitung Lärmsanierung Bahn
Erarbeitung von Konzepten zur Überdeckung von Verkehrsträgern insbesondere der Bahn. 

Dort, wo trotz Massnahmen am Rollmaterial nach Ablauf der Sanierungsfrist (2015) Grenzwertüberschreitungen zu erwarten sind, werden auf Kosten des Bundes (bei AW-Überschreitung) und mit einem Kostenteiler (50% Bund, 50% Hauseigentümer) Schallschutzfenster eingebaut. An einigen wenigen Standorten werden Lärmschutzwände errichtet.
Der Kanton übernimmt im Auftrag des Bundes den Einbau der Schallschutzfenster.
Wie auch bei der Nationalstrasse ist eine Überdeckung von Bahnstrecken, welche in Tieflage verlaufen, aus der Sicht des Lärmschutzes wünschenswert (Koordinationsbedarf mit Naturschutz).
 

nach oben