S4.4 Schwerpunktgebiet Gundeldingen

Das Quartier Gundeldingen ist ein beliebter und aufgrund seiner Entwicklung einzigartig geprägter Stadtteil Basels. Das Quartier weist eine vergleichsweise hohe Dichte auf und hat eine beschränkte Anzahl an Freiräumen. (Ende Juli 2012 bewohnten 18'681 Einwohner die Gesamtfläche von rund 118,13 ha; pro Hektare Wohnzone zählte man Ende 2010 271 Einwohner.)

Durch verschiedene verkehrliche und städtebauliche Entwicklungen vor allem im Umkreis und an der Peripherie des Quartiers (Bahnhof SBB, Dreispitz) stehen im Quartier und im Raum Basel-Süd Veränderungen an, die Synergien für die gewerblichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen ermöglichen. Durch eine integrale Stadtteilentwicklungsplanung sollen die sich bietenden Chancen für den Raum des Schwerpunktgebietes optimal in Wert gesetzt werden. Ziel ist dabei, die laufenden und geplanten Projekte und Entwicklungen im Raum des Schwerpunktgebietes aufeinander abzustimmen und die Siedlungs- und Lebensqualität insgesamt zu steigern. Dabei sollen die verschiedenen politischen und planerischen Vorstösse der letzten Jahre unter dem Blickwinkel der kantonalen Strategie zur Verkehrs- und Siedlungsentwicklung so weit möglich berücksichtigt werden.

Stadtentwicklung Basel Süd/ Gundeli Plus (übergeordnete integrale Stadtteilentwicklungsplanung)
Mit einer integralen Stadtteilentwicklungsplanung werden unter Einbezug der betroffenen Kreise die notwendigen Planungsprozesse und -massnahmen im Raum Gundeldingen / Basel Süd koordiniert, um die Herausforderungen des Raumes anzugehen sowie seine Potenziale zu nutzen und zu stärken. Mit dem neuen Schwerpunkt Stadtentwicklung Basel Süd / Gundeli Plus werden in die Planung und Umsetzung nebst baulichen Aspekten auch querschnittsorientiert soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte einbezogen; die räumlichen Aspekte basieren auf den behördenverbindlichen Planungsgrundsätzen und Planungsanweisungen. Zur Durchsetzung der Ziele und Massnahmen bedarf es der gesetzlich vorgesehenen grundeigentümerverbindlichen Erlasse und Beschlüsse, u. a. auch allfälliger Kreditbeschlüsse für Massnahmen der öffentlichen Hand. Der Einbezug betroffener Kreise ist zu sichern.

Verkehr
Es besteht Bedarf für Verbesserungen und Optimierungen bei allen Verkehrsträgern. Mit einem umfassenden Verkehrskonzept sollen die kurz- und langfristigen Perspektiven für alle Verkehrsmittel aufgezeigt werden; Ziel ist, das Quartier vom motorisierten Individualverkehr spürbar zu entlasten. Da die primäre Funktion der Meret Oppenheim-Strasse die Erschliessung der südlichen Bahnhofsvorfahrt bleibt und sie nur sekundär der Entlastung des Quartiers Gundeldingen vom quartierfremden motorisierten Durchgangsverkehr dienen kann, ist für die beabsichtigte Verkehrsentlastung und für die Qualitätsverbesserungen im Quartier eine nachhaltige Lösung zu finden. Angestrebt wird eine konsequente Verkehrsberuhigung. Diese wird mit den lokalen Entlastungseffekten einer Umfahrung des Quartiers (ABAC, Autobahnanschluss Basel- City, Gellertdreieck Bahnhof SBB – Birsig [Gundeldinger-Tunnel]) abgestimmt.

Areal Bahnhof SBB / Zentrum Gundeldingen
Die SBB richten mit ihrem Rahmenplan die Gesamtanlage des Bahnhofs SBB neu aus. Die Begehren aus dem Quartier hinsichtlich der Zentrumsbildung, der Infrastruktur- und Verkehrskoordination (Vernetzung Verkehrsdrehscheibe Bahnhof SBB / Güterstrasse mit den kommerziellen Nutzungen im Quartier) sowie hinsichtlich der Gestaltung von Bebauung und Freiraum entlang der Güterstrasse und der möglichen Verbesserung der Querung des Bahnareals für den Fuss- und Veloverkehr sind – unter Anwendung der gesetzlichen und regulatorischen Instrumentarien sowie unter Ausnutzung der gestalterischen Spielräume – aufzugreifen.

Dreispitz
Östlich des Quartiers Gundeldingen hat auf der Grundlage einer umfassenden Entwicklungsplanung die Transformation des ehemaligen Materiallagerplatzes und Gewerbegebietes Dreispitz zu einem verdichteten, mit Mischnutzungen ausgestatteten Stadtquartier eingesetzt. Durch Nutzung der Synergieeffekte, die die Entwicklungen bieten, können positive Auswirkungen auf die umliegenden Quartiere, so auch auf Gundeldingen, erzielt werden. 2011 wurde die Nutzungsplanung Dreispitz öffentlich aufgelegt. Für die direkte Nachbarschaft zum Quartier Gundeldingen ist im Dreispitz im Bereich der «Nordspitze» eine Folgestufe der Planung vorgesehen, in der es die Belange des Quartiers besonders zu berücksichtigen gilt.

Quartierrichtplan Gundeldingen (QRP) – Ausserkraftsetzung
Der Quartierrichtplan Gundeldingen (QRP) ist am 24. Juni 1986 vom Regierungsrat Basel- Stadt als interne Weisung (Richtlinie) für die kantonale Verwaltung für verbindlich erklärt worden. Als «zeitliches Planziel» wurde ein Zeitraum von 5 – 15 Jahren vorgegeben. Der QRP konnte in diesem Zeitraum und bis dato nicht gesamthaft umgesetzt werden. In wesentlichen Teilen jedoch sind zahlreiche Vorgaben erfüllt. Die erwünschte räumliche Entwicklung, die mit den Teilplänen Nutzung, Bausubstanz, Verkehr und Freiraum verfolgt wurde, zeigt vor allem ein Defizit im Bereich des Verkehrs. Aber auch in diesem Bereich wurden die Anliegen wie «Verkehrsberuhigte Zellen», «Übergeordnete Fussgängerverbindungen » oder «Velo- / Mofarouten» systematisch angegangen und mehrheitlich umgesetzt. Hingegen konnte vor allem die «Umfahrung Gundeldingen» bis heute nicht realisiert werden, da die im Quartierrichtplan vorgegebene Form aufgrund der Kapazitätsgrenzen nicht zum Tragen kommen kann (s. auch Hinweis zur Meret Oppenheim-Strasse unter Verkehr).

Da mit Statuierung des vorliegenden Objektblattes weitere wesentliche Anliegen aus dem Quartier anerkannt und in den kantonalen Richtplan überführt sind, ist der QRP überholt. Er wird deshalb gleichzeitig mit der Genehmigung des Objektblattes durch den Regierungsrat ausser Kraft gesetzt (neuer Stadtteilrichtplan: siehe Planungsanweisung Ziff. 3).
 

Stadtentwicklung Basel Süd / Gundeli Plus
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Die Karte «Stadtentwicklung Basel Süd / Gundeli Plus» gilt als orientierende Grundlage.

Strategie / ST
5, 6, 9 und 11

Leitsätze
4, 10, 12, 14, 15, 17, 18, 19, 21, 22, 28, 40, 41, 43, 44, 45, 46 und 47

 

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Planungsgrundsätze / Planungsanweisungen

  1. Zur Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität im Quartier und für eine nachhaltige Weiterentwicklung der städtebaulichen, wirtschaftlichen, kulturellen, ökologischen und sozialen Qualitäten des Schwerpunktgebietes Gundeldingen gelten folgende Planungsgrundsätze und -anweisungen:
  • Verkehrskonzept: Für das Quartier wird ein umfassendes Verkehrskonzept erstellt. Dieses soll kurz- und langfristige Perspektiven für alle Verkehrsmittel aufzeigen. Die Planungsgrundsätze und -anweisungen und die örtlichen Festlegungen in den einzelnen Richtplan-Objektblättern des Sachbereichs Mobilität gelten für dieses Verkehrskonzept als übergeordnet.

Im Rahmen des Verkehrskonzeptes ist u. a. zu prüfen und sind Lösungsmöglichkeiten anzugeben für:

  • Verkehrsberuhigung mit Priorität für Quartiererschliessung und zusammenhängende Tempo-30-Zonen;
  • eine Reduktion von quartierfremdem motorisiertem Durchgangsverkehr;
  • eine zusätzliche Vernetzung mit dem Tram;
  • Verbesserungen der Fuss- und Veloverkehrsverbindungen zwischen dem Quartier und den umliegenden Stadtteilen;
  • Verbesserungen des Fuss- und Veloverkehrsinnerhalb des Quartiers.
  • Areal Bahnhof SBB: Unter Ausnutzung der gestalterischen Spielräume wirkt der Kanton mit seinen Instrumentarien darauf hin, dass die SBB-Planungen zum Bahnhofareal das Quartierzentrum Gundeldingen stärken.
  • Zentrumsbildung in Gundeldingen: Der Kanton unterstützt im Rahmen seiner Möglichkeiten das Ziel, Nutzungen so zu fördern, dass Zentrumsbildungen möglich sind. Die Örtlichkeiten (Quartierteile und Strassenzüge) sind mit dem Stadtteilrichtplan zu bestimmen (s. Ziff. 3).
  • Dreispitz: Ziel ist ein langfristiges Zusammenwirken mit dem Dreispitz, d.h. die Nutzung von Synergien für die gewerblichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen. Das Entwicklungsgebiet Dreispitz ist verbessert in das ÖV-, Fuss- und Velo-Netz einzubinden sowie umfeldverträglich an das Strassennetz anzubinden.
  • Aussenraum: Anzustreben sind städtebauliche Qualitätsverbesserungen, die den zukünftigen Verkehrs- und Raumbezügen funktionell und gestalterisch gerecht werden.
  • Wohn- und Arbeitsumfeld / Erholung / Wohlbefinden: Ziel ist die Erweiterung attraktiver Freiräume und die Verbesserung der mikroklimatischen Verhältnisse durch zusätzliche Begrünungen.
  1. Die aus Ziff. 1 resultierenden Planungsaufgaben, -prozesse und -massnahmen werden in Form einer integralen Stadtteilentwicklungsplanung organisiert und koordiniert; die anerkannten Quartierorganisationen, die betroffene Bevölkerung, das lokale Gewerbe und weitere Interessierte werden in die Planung und Umsetzung einbezogen; wo nötig, sind Bund und benachbarte Gebietskörperschaften einzubeziehen.
  2. Für die raumwirksamen Vorhaben im Schwerpunktgebiet Gundeldingen erlässt der Regierungsrat innert 5 Jahren ab Erlass der «Anpassung 2012» auf der Grundlage von § 94 Abs. 2 Bau- und Planungsgesetz einen für die kantonalen Behörden verbindlichen, detaillierten Stadtteilrichtplan.

 

Örtliche Festlegungen (in Richtplankarte)

Gemäss Abgrenzungen in Richtplankarte.

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Massnahmen / Details

Allgemeines
Vor der Ausformulierung allfälliger Massnahmen sind die wesentlichen Wirkungszusammenhänge und Interdependenzen der Entwicklungen des Bahnhofs SBB, des Schwerpunktgebietes Gundeldingen und des Dreispitz’ zu klären; Synergieeffekte, die die Entwicklungen bieten, sind zu erfassen und zu nutzen; alle Massnahmen sind unter dem Blickwinkel des städtischen Gesamtraumes und unter Beachtung der Verknüpfungen mit den umgebenden Quartieren zu formulieren.

Stadtentwicklung Basel Süd / Gundeli Plus
Mit Gundeli Plus setzen die Verwaltungsstellen einen Schwerpunkt der kantonalen Stadtentwicklung. Gemeinsam mit der Bevölkerung, dem Gewerbe und verschiedenen Quartierorganisationen wird die weitere Entwicklung des Quartiers angegangen, begleitet und wirkungsvoll unterstützt. So sollen Projekte und Massnahmen umgesetzt werden, die dem Gundeldinger-Quartier und seiner Umgebung einen sichtbaren und spürbaren Mehrwert bringen und nachhaltige Wirkung entfalten.

Hinweise zu den übergeordneten Planungsgrundsätzen und -anweisungen der Richtplan-Objektblätter des Sachbereichs Mobilität:

  • Fussverkehr: Das Fusswegenetz ist zu optimieren, die Verbindungen zu den umgebenden Stadtteilen sind zu verbessern. Wo notwendig, sind Massnahmen zugunsten der Sicherheit des Fussverkehrs zu ergreifen, insbesondere für Schulwege sowie für Zugänge zu öffentlichen Bauten und Park- und Grünanlagen. Verkehrsanlagen sowie Zugänge zu Haltestellen des öffentlichen Verkehrs und zu öffentlichen Bauten und Anlagen sind behindertengerecht auszugestalten.
  • Veloverkehr: Das Velonetz im Quartier ist zu optimieren, die Verbindungen zu den umgebenden Stadtteilen sind zu verbessern. Das Angebot an Veloabstellmöglichkeiten ist zu erweitern. Wo notwendig, sind Massnahmen zugunsten der Sicherheit des Veloverkehrs zu ergreifen.
  • ÖV: Das Angebot ist auszubauen und die Vernetzung mit den umliegenden Stadtteilen, den Bahnhöfen (SBB und S-Bahn-Haltestelle Dreispitz) und den Nachbargemeinden ist zu verbessern. Das Entwicklungsgebiet Dreispitz ist mit dem Tram optimal zu erschliessen.
  • MIV: Der motorisierte Individualverkehr wird auf die verkehrsorientierten Hauptachsen kanalisiert. Die bestehenden verkehrsorientierten Strassen werden überprüft und soweit sinnvoll reduziert. Die Wohngebiete im Bereich der nutzungsorientierten Strassen sind von quartierfremdem Verkehr zu entlasten. Das Entwicklungsgebiet Dreispitz ist umfeldverträglich an das Strassennetz anzubinden. Parkraum: Der Parkraum im Quartier soll integral bewirtschaftet werden. Parkraum auf Allmend soll zugunsten des Fuss- und Veloverkehrs sowie zur Schaffung neuer Freiräume reduziert werden; insbesondere für Anwohner sind alternative Parkierungsmöglichkeiten anzubieten.
  • Projekt ABAC, Autobahnanschluss Basel-City, Gellertdreieck Bahnhof SBB – Birsig (Gundeldinger-Tunnel): Zur Entlastung vom quartierfremden motorisierten Durchgangsverkehr wird das Projekt einer Umfahrung des Quartiers untersucht.

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