S4.2 Freizeitgärten

Ausgangslage

Freizeitgärten (auch als Familiengärten bezeichnet) erfüllen als zum Teil sehr strukturreiche Lebensräume vielfältige Funktionen: Sie sind Teil des städtischen Erholungs- und Freizeitangebotes. Sie stärken den familiären und generationellen Zusammenhalt und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie gehören zum Grünraum und zur ökologischen Vernetzung. Als Lebensraum bergen sie zum Teil seltene und geschützte Tiere. Eine früher wichtige Funktion der Gärten, die Selbstversorgung, ist zugunsten der Freizeitnutzung zurückgegangen.
Diese «grünen Oasen» können aufgrund des hohen Flächenanteils im Kanton Basel-Stadt und aufgrund ihrer Lagen als Element der Stadtstruktur, aufgrund ihrer Beschaffenheit aber auch als Teil der Kulturlandschaft betrachtet werden. Im kantonalen Richtplan sind Freizeitgartenareale wegen ihres gegenwärtigen Hauptaspekts, der Erholung, unter Siedlungsqualität eingereiht. Als «privatisierte» Räume grösstenteils in öffentlicher Hand, sind Freizeitgartenareale allerdings nur partiell für die Öffentlichkeit zugänglich. (Der grosse Teil der Freizeitgärten befindet sich auf Land im Eigentum des Kantons oder der Einwohnergemeinde der Stadt Basel [ca. 70%].)
Für die baselstädtische Bevölkerung stehen ca. 168 ha im «Zentralverband der Familiengartenvereine » zusammengeschlossene Freizeitgartenareale zur Verfügung. Ca. 50 ha dieser Gärten liegen auf Basler Gemeindegebiet, ca. 27 ha in Riehen, ca. 65 ha im stadtnahen und ca. 26 ha im weiteren Umland ausserhalb des Kantons.
Die Nachfrage nach Freizeitgärten ist seit längerem nicht mehr so gross wie bis Anfang der 1990er-Jahre, deshalb bestehen Spielräume zur Umnutzung von Gartenarealen.
 

Umnutzung von Familiengartenanlagen

Aufgrund der äusserst begrenzten Raumreserven des Kantons Basel-Stadt ist es notwendig, Landnutzung und die zentralen Anliegen einer nachhaltigen Stadtentwicklung in Übereinstimmung zu bringen. Das stark gewichtete Anliegen eines ausreichenden Angebotes an hochwertigem Wohnraum (s. Strategie ST4 Mehr Raum für Einwohnerinnen und Einwohner sowie Objektblatt S1.1 Siedlungsentwicklung, Siedlungsgebiet [Baugebiet]) und an attraktiven öffentlichen Freiräumen (s. S4.1 Freiraum) verpflichten dazu, auch Umnutzungen von Freizeitgartenanlagen an geeigneten Standorten vorzusehen.

Mit der Annahme des Gegenvorschlags bei der Volksabstimmung zur kantonalen Familiengarteninitiative vom 15. Mai 2011 hat der Souverän den Rahmen für Erhalt, Aufwertung und teilweise Umnutzung der Basler Freizeitgartenareale abgesteckt: «Der längerfristige Bestand der in der Verwaltung des Kantons Basel-Stadt und seiner Gemeinden stehenden Familiengärten innerhalb und ausserhalb des Kantonsgebiets ist mit geeigneten rechtlichen Massnahmen in genügendem Umfang, mindestens 82 Hektaren, zu sichern. Die Familiengärten sollen sich in Wohnortnähe befinden. Für die innerhalb der Stadt Basel gelegenen Gartenareale hat dies durch Zuweisung in eine besondere, zu diesem Zweck zu schaffende Nutzungszone zu geschehen.
Ferner ist mit geeigneten Massnahmen darauf hinzuwirken, dass die Familiengartenareale qualitativ aufgewertet werden, insbesondere dadurch, dass Familiengartenareale mit öffentlichen Grünflächen und Freizeitangeboten verbunden werden. Sofern zur Erreichung dieses Ziels oder aufgrund anderer überwiegender öffentlicher Interessen ein Familiengartenareal ganz oder teilweise aufgehoben wird, muss allen Betroffenen ein Ersatzgarten in gleicher Qualität angeboten werden; nachträglich unnütz gewordene Aufwendungen und Investitionen sind angemessen zu entschädigen. Die innerhalb der Stadt Basel gelegenen und in der Verwaltung des Kantons Basel-Stadt stehenden Familiengartenareale werden zu mindestens 80% erhalten.»

 

Strategie der Gemeinde Riehen

Die Gemeinde Riehen hat in ihrem Richtplan vom 19. August 2003 betreffend Familiengartenareale eine Strategie definiert, die generell den kantonalen Entwicklungsvorstellungen entspricht und auf der Feststellung gründet, dass die Nachfrage nach Familiengärten zur Zeit abnehme und es absehbar sei, dass künftig nicht mehr alle Familiengartenareale in Riehen benötigt würden. Im Rahmen der Nutzungsplanung sollen verschiedene Massnahmen geprüft werden.
Der in Riehen angenommene Gegenvorschlag zur Initiative «zum Schutz von Familiengartenarealen» sieht vor, dass in der laufenden Gesamtzonenplanrevision rund 28 Hektaren als Familiengärten gesichert werden. Ein Familiengartenareal in der Grösse von 6'700 m2, welches an die Hörnliallee und an die Hochrhein-Bahnlinie grenzt, wird einer Arbeitszone zugewiesen. Aufgehoben werden zudem 13 Familiengärten für die geplante Zentrumsbebauung an der S-Bahn-Haltestelle Niederholz. Zudem wurde festgelegt, dass das rund 12'300 m2 umfassende Areal zwischen Gotenstrasse und Wiesental-Bahnlinie nach der Gesamtzonenplanrevision in die Bauzone umgezont werden kann, wenn Bedarf gegeben ist.
Ferner wurde festgelegt, dass das rund 63'000 m2 umfassende Areal Hörnli/Landauer in den nächsten 15 Jahren nicht in eine Bauzone umgezont wird. Im kommunalen Richtplan ist dieses Gebiet als strategische Reserve bezeichnet.
Weiter legt die Gemeinde auf dem nicht durch Freizeitgärten genutzten Brachland hinter den Liegenschaften Hörnliallee 75 bis 79 eine Zone fest, die eine öffentliche Freizeitnutzung ermöglicht. Zudem sollen die Gartenareale für die Öffentlichkeit als Naherholungsgebiete zugänglicher gemacht werden. Deshalb sollen in einem nächsten Schritt zusammen mit den Grundeigentümern und den Nutzern Strategien zur Öffnung der Freizeitgärten erarbeitet und umgesetzt und mittelfristig eine mögliche Siedlungserweiterung im Niederholz skizziert werden.
 

Planungs- und Entwicklungsziele

  • Schutz von mindestens 40 ha Freizeitgartenarealen im Basler Zonenplan;
  • Sicherung einer ausreichenden Menge an Freizeitgärten im nahen Umland, z. B. über Landeigentum und Nutzungsverträge;
  • neben den übergeordneten Zielen (Sichern von Flächen für neue Baugebiete, neue öffentliche Freiräume in Basel-Stadt, Erhaltung eines angemessenen Bestandes an Freizeitgartenarealen) ist die Durchgängigkeit und Erhöhung des Anteils an öffentlicher Zugänglichkeit und die Benutzbarkeit der Areale für die Bevölkerung zu verbessern, sind die vielfältigen Lebensräume zu erhalten und aufzuwerten und ist die ökologische Korridor- und Trittsteinwirkung in den verbleibenden Freizeitgartenarealen zu stärken;
  • im Weiteren kann durch die Öffnung der Freizeitgartenareale und durch die Anlage von öffentlichen Grünflächen/-räumen in den Arealen die Lebensqualität für die Bewohner und Bewohnerinnen in der unmittelbaren Umgebung verbessert werden.
     

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Bundeskonforme Zuordnung von Familiengartenarealen, die zur Zeit noch der Zone „Landwirtschaftsgebiet“ zugewiesen sind

Nach Bundesrecht heute nicht mehr zonenkonform werden in Basel-Stadt zur Zeit rund ein Drittel der Familiengartenareale in der Zone „Landwirtschaftsgebiet“ betrieben. Die Gemeinden und der Kanton (für Basel) sind verpflichtet, bundesrechtskonforme Zonen auszuscheiden.

Strategie / ST
2, 4, 5, 9 und 10

Leitsätze
2, 3, 14, 15, 17, 20, 23, 28, 32, 35 und 37

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Planungsgrundsätze / Planungsanweisungen

  1. Freizeitgärten mit ihren vielfältigen Qualitäten dienen der Erholung der Bevölkerung, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der natürlichen Lebensgrundlage; Freizeitgärten sind in einem sich weiter urbanisierenden Umfeld von städtebaulicher Bedeutung.
  2. Anlässlich der Zonenplanrevision Basel sind zur Realisierung der übergeordneten kantonalen Entwicklungsziele und im Rahmen der Vorgaben des Gegenvorschlags zur Familiengarteninitiative heutige Freizeitgartenareale oder -arealteile zugunsten von neuen Wohnraumangeboten (Baugebieten) und neuen öffentlichen Freiräumen vorzusehen.
  3. Flankierend zu den unter Ziff. 2 genannten prioritären Veränderungsabsichten wirkt der Kanton betreffend die im Kanton Basel-Stadt gelegenen Freizeitgartenareale darauf hin,
    • entsprechend den Vorgaben des Gegenvorschlags zur kantonalen Familiengarteninitiative ein hinreichendes Angebot an Freizeitgartenarealen langfristig zu sichern;
    • die öffentliche Zugänglichkeit, die Durchgängigkeit und die Benutzbarkeit der Freizeitgartenareale für die Bevölkerung zu verbessern;
    • die ökologischen Funktionen der Areale zu verstärken;
    • die naturnahe Bewirtschaftung der Gärten zu fördern.

Der Kanton stimmt seine Entwicklungsabsichten mit den Entwicklungsabsichten der Gemeinden ab.

  1. Betreffend die ausserkantonalen, stadtnahen Freizeitgartenareale im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel werden die Ziele von Ziff. 3 ebenfalls verfolgt – in Abstimmung mit den Entwicklungspräferenzen der Nachbargemeinden und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Freizeitgärtner.
  2. Kanton und Gemeinden setzen im Zuge ihrer Zonenplanrevisionen die in der Zone «Landwirtschaftsgebiet» nicht mehr zonenkonformen Freizeitgartenanlagen zonenrechtlich neu fest. 

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