S4.1 Freiraum

Freiräume und gut gestaltete öffentliche Räume in ausreichender Quantität, hoher Qualität und geeignetem Gebrauchswert sind ein wesentlicher Aspekt der urbanen Lebensqualität und dienen Bewohnern, Erwerbstätigen und Besuchern. In Basel-Stadt kommt vor dem Hintergrund der selektiven Abwanderung ins Umland den Grün- und Freiräumen eine gesteigerte Bedeutung zu.
Die Freiräume umfassen Parks, Plätze, Quartierstrassen, Freizeitgärten, Friedhöfe, Spiel- und Sportanlagen, private Innenhöfe (Gärten) sowie Erholungsräume der Landschaft. Vor allem der öffentliche Raum hat unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht zu werden.
Das Freiraumkonzept für die Stadt Basel formuliert – unter Beachtung der grenzüberschreitenden Erholungs-, Bewegungs- und ökologischen Funktionen – Massnahmen zur Sicherung, Entwicklung und Neuschaffung von Grün- und Freiräumen und benennt den Koordinationsbedarf für die erwünschte städtebauliche Entwicklung.

Bedarf an Grünräumen in der Stadt Basel

Unter Beachtung der durch Grenzen beengten Lage der Stadt, die im Zentrum ausserstädtischer und ausserkantonaler Landschafts-, Grün- und Freiräume liegt, ist die Grünraumversorgung genügend bis gut; einige Stadtquartiere weisen aber eine schlechte Versorgung auf.
Da das Freiraumangebot innerhalb des Kantons als wichtiger Standortfaktor zu betrachten ist, ist es notwendig, die Grünraumversorgung und die Qualität der Freiräume zu verbessern. Die Zugänglichkeit in die grösseren, auch ausserkantonalen Naherholungsgebiete ist zu erweitern.
 

Bewegung und Sport – «Basel soll sich mehr und besser bewegen»

Studien zeigen eine im schweizerischen Vergleich überdurchschnittliche Inaktivität der Basler Bevölkerung. Der bisherige Ansatz «Sportpolitik» erreicht weite Teile der Bevölkerung nicht oder wird der Problematik nicht gerecht. Eine nachhaltige Bewegungspolitik soll den negativen Entwicklungen insbesondere im Gesundheitsbereich und im Sozialen entgegenwirken. Der wachsende Anteil der «niederschwelligen Bewegung» zieht eine Ausweitung des Raumbedürfnisses über die traditionellen Sportstätten hinaus in die Freiräume hinein nach sich.

Strategie / ST
2, 3, 5, 9 und 10

Leitsätze
3, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 28 und 37

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Planungsgrundsätze / Planungsanweisungen

  1. Die verantwortlichen Instanzen wirken darauf hin, dass
    • bei Erneuerung von bestehenden Bauten und Anlagen und bei der Planung von Neubauten die Freiraumqualitäten erhalten oder, soweit möglich, erhöht werden;
    • im Stadtgebiet von Basel, speziell aber in den als «Vorzugsgebiete der Entdichtung» bezeichneten Gebieten, geeignete Grundstücke aus dem Mehrwertabgabefonds erworben und zu Parkanlagen (allenfalls Pocketparks) umgewandelt oder dass durch andere Massnahmen öffentliche und qualitativ hochwertige Frei- und Grünräume geschaffen werden können.
  2. Der südliche Teil des Landschaftsparks Wiese (Bäumlihof und Umgebung) ist im Rahmen der Umsetzung des Planwerks «Landschaftspark Wiese» für Erholungszwecke besser zugänglich zu machen.
  3. Im Rahmen der Zonenplanrevision Basel – und darauf abgestimmt in der Bewirtschaftungsplanung für die vom Kanton verpachteten Landwirtschaftsbetriebe – prüft der Kanton, wie auf dem Bruderholz (Klosterfiechten) die bessere Zugänglichkeit von Aussichtslagen für Fussgänger und die Einrichtung von extensiven Erholungsnutzungen ermöglicht werden kann.
  4. Im Rahmen von Planungen, die den öffentlichen Raum betreffen, der Nutzungsplanungen und bei allen sich bietenden Gelegenheiten ist die regierungsrätliche Bewegungspolitik zu berücksichtigen. Ansprüche für Sport und «niederschwellige Bewegung» sind mit dem Bedürfnis nach Ruhezonen unter Beteiligung von Interessengruppen gleichgewichtig zu berücksichtigen.

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Örtliche Festlegungen (in Richtplankarte)
Koordinationsstand
Vorzugsgebiete der Entdichtung  
a1) Gundeldingen Zwischenergebnis
a2) Matthäus Zwischenergebnis
a3) St.Johann Zwischenergebnis
Freiraumerweiterung / Naherholungsgebiete  
b1) Bäumlihof und Umgebung Festsetzung
b2) Bruderholz / Klosterfiechten Festsetzung

Massnahmen / Details

a) Vorzugsgebiete der Entdichtung

Bei sich bietender Gelegenheit sollen im ganzen Stadtbereich, aber vor allem dort, wo die Freiraumversorgung schwach ist (Gundeldingen, Matthäus, St. Johann = «Vorzugsgebiete der Entdichtung»), geeignete Grundstücke aus dem Mehrwertabgabefonds erworben und zu Parkanlagen umgewandelt werden. Wo dies sinnvoll ist, können auch so genannte Pocketparks (kleine öffentliche Grünanlagen, die Anwohnern zur Naherholung dienen) in Betracht gezogen werden. Frei- und Grünräume müssen optimal mit Begegnungs- sowie Fuss- und Veloverkehrsrouten verknüpft sein.

a1) Gundeldingen
Das dicht bebaute Quartier weist einen hohen Anteil an Mischnutzungen auf. Strassenzüge mit wenigen kleinen Platzanlagen prägen das Quartier und haben grosse Bedeutung als Bewegungs- und Freizeiträume. Es gilt, das Gebiet insgesamt aufzuwerten und die Potenziale zu nutzen. Die notwendigen Planungsprozesse und     -massnahmen im Raum Gundeldingen / Basel Süd werden in Form einer integralen Stadtteilentwicklungsplanung koordiniert, die räumlichen Anliegen sind im kantonalen Richtplan jetzt breit verankert (S 4.4 Schwerpunktgebiet Gundeldingen). Das Quartier soll besser an das Naherholungsgebiet Bruderholz angeschlossen werden. (Zusammenhang mit dem Vorhaben M2.2 Kantonsstrassen e) Verkehrsentlastung /-beruhigung Gundeldingen.)

a2) Matthäus
Trotz Rheinufer, Erasmusplatz und Matthäuskirchplatz sind vergleichsweise wenig öffentliche Freiräume vorhanden. Viele private und halböffentliche Freiräume sind nicht oder nur schlecht nutzbar (Gewerbeinnenhöfe); es besteht ein Mangel an Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Die Trennwirkung der Verkehrsachsen erschwert den Zugang zu den vorhandenen Freiräumen.

a3) St.Johann
Das durch den Durchgangsverkehr geprägte Quartier weist trotz einigen ruhigen Spazierstrassen Lücken im Wegenetz zu Grünanlagen auf, vor allem zum Kannenfeldpark. Im Bereich der städtischen Wohn- und Gewerbegebiete sind die Frei- und Grünräume und ist die Freiraumvernetzung intern und in die Nachbarsräume zu verbessern.

b) Freiraumerweiterung / Naherholungsgebiete

b1) Bäumlihof und Umgebung
Der südliche Teil des Landschaftsparks Wiese ist für Erholungszwecke besser zugänglich zu machen (Wege, allenfalls extensive Erholungsnutzungen); die Anliegen des Naturschutzes und die Nutzungsansprüche für Landwirtschaft sind dabei zu berücksichtigen.

b2) Bruderholz / Klosterfiechten
Neben der Erweiterung des Siedlungsgebietes bei Sicherung der ökologischen Vernetzung ist die Landwirtschaft teilweise zu öffnen zugunsten von Landschaftspflege und extensiven Erholungsnutzungen; die Aussichtslagen für Fussgänger sind besser zugänglich zu machen.

c) Bewegung und Sport

Für die Raumbedürfnisse der nachhaltigen Bewegungspolitik ist zu prüfen und zu bestimmen, welche Flächen einer aktiven Nutzung zugeführt und welche als Ruhezonen geschützt werden müssen. Ein möglichst breites Angebot an Freizeiträumen für «niederschwellige Bewegung» im näheren Wohnumfeld ist anzustreben.

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