S2.1 Wirtschaftliche Schwerpunktgebiete

Die hohe Standortqualität macht Basel-Stadt zu einem international führenden Wirtschafts- und Messestandort und zum gefragten Lebensmittelpunkt für beruflich Hochqualifizierte aus dem In- und Ausland. Der Kanton wird längerfristig ein vermehrt gesuchter Standort sein für die weltweit agierenden Unternehmen der Life Sciences Wirtschaft (Pharma, Agrochemie, Medizinaltechnik, Gen- und Biotechnologie), der chemischen Industrie, der Finanzdienstleistungen, der Logistik, der Kreativwirtschaft sowie für Unternehmen, die in neuen Technologien tätig sind.

Um die Perspektiven der Arbeitsplatzgebiete und damit die Standortattraktivität und Konkurrenzfähigkeit von Basel-Stadt zu stärken, bezeichnet der Richtplan wirtschaftliche Schwerpunktgebiete, deren Entwicklung nicht nur für den Kanton, sondern auch für den Metropolitanraum Basel von wesentlicher Bedeutung ist. Transformationsprozesse, Strukturwandel, Nutzungsintensivierung und Standortkonzentrationen sind unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Ansprüche, der Umwelt, der städtebaulichen Anliegen und der Integration in den städtischen Kontext zu unterstützen.

Die Weiterentwicklung der Unternehmen konzentriert sich auf diese Schwerpunktgebiete sowie auf weitere, derzeit wirtschaftlich genutzte Standorte.

Um Konflikte zu vermeiden, sind Rahmenbedingungen und geeignete Planungsmassnahmen für angemessene Gesamtentwicklungen zu formulieren. So ist der Kanton unter anderem bestrebt, dass an strategisch wichtigen Orten Durchgängigkeit (Rheinuferlagen) und städtebauliche Durchlässigkeit möglich sind.

Die Entwicklungen sind auf leistungsfähige, stadtgerechte Verkehrsnetze abzustimmen. Dabei sind Lösungen zu suchen, bei denen die Verkehrsauswirkungen nicht zu zusätzlichen Beeinträchtigungen der Lebensraumqualität führen.
 

Strategie / ST
1, 3, 5, 7, 8, und 11

Leitsätze
2, 5, 7, 9, 11, 16, 22, 43, 46 und 48

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Planungsgrundsätze / Planungsanweisungen

  1. Der Kanton wirkt darauf hin, dass im Bereich der wirtschaftlichen Schwerpunktgebiete eine Nutzungsintensivierung zur Entfaltung der wirtschaftlichen Aktivitäten erfolgen kann. Dabei ist zu beachten, dass
    • in Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt und unter Berücksichtigung historischer und kultureller Bestände hochwertiges Wachstum erfolgt;
    • die Transformationsprozesse wenn möglich Qualitätsverbesserungen im Städtebau zur Folge haben;
    • die Gebiete sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr und dem Fuss- und Veloverkehr erreichbar sind;
    • die durch die Entwicklungen hervorgerufenen Verkehrszunahmen mit wenig Beeinträchtigungen des Lebensraumes und der Umwelt kanalisiert werden können;
    • die Integration in den städtischen Kontext und die Durchgängigkeit / Durchlässigkeit für den Fuss- und Veloverkehr an strategisch wichtigen Orten gesichert wird (u.a. Rheinufer);
    • Planungsprozesse – wo sinnvoll – verstärkt werden durch die Bildung von Trägerschaften, an denen der Kanton partizipiert (z. B. Private Public Partnership);
    • die Zielsetzungen durch nutzungsplanerische Massnahmen und Projektträgervereinbarungen gesichert sind.
  2. Der Kanton Basel-Stadt setzt sich als Gründungsmitglied des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» für einen Innovationspark ein und prüft, welche Flächen auf Kantonsgebiet hierfür geeignet sind.

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Örtliche Festlegungen (in Richtplankarte) Kordinationsstand
a) Novartis Campus Festsetzung
b) F. Hoffmann-La Roche Festsetzung
c) Messe Schweiz Festsetzung
d) Rosental-Areal Vororientierung
e) Chemieareale Klybeck Vororientierung
f) Dreispitz Festsetzung
g) Äusseres St. Johann Zwischenergebnis
h) Wolf Vororientierung

Massnahmen / Details zu den örtlichen Festlegungen

a) Novartis Campus

Novartis strebt mit dem «Novartis Campus» sowohl die Konzentration ihrer Tätigkeiten im Werkareal St. Johann als auch die Transformation des heutigen Produktionsstandortes zu einem Forschungs- und Dienstleistungsstandort an; für diese Entwicklung hat die Firma bis zum Jahr 2012 einen Planungs- und Baukredit von CHF 2 Mrd. freigegeben. Parallel zu diesen laufenden Veränderungen im bestehenden Areal ist mit «Campus Plus» – in Zusammenarbeit mit dem Kanton – eine Arealerweiterung eingeleitet, die bereits zu verschiedenen raumwirksamen Veränderungen geführt hat: Integration der Hüningerstrasse in das Firmenareal (2009) und neue Verbindung zwischen Basel und Huningue (Umfahrung Nord, eröffnet 2009).
Folgende Veränderungen sind zurzeit im Gange:

  • Das heutige Hafenareal St. Johann soll neu als Grün- und Freiraum sowohl den Mitarbeiter/-innen von Novartis als auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen; so befindet sich u. a. die Fuss- und Veloverkehrsverbindung entlang des Rheins (Rheinuferpromenade Undine) in konkreter Planung und soll ab Sommer 2013 realisiert werden.
  • Im nordwestlichen Arealteil und entlang des Rheins sollen – ergänzend zu den bestehenden Hochhäusern – neue Hochhäuser erstellt werden.

Für die Umsetzung der insgesamt elf «Campus-Plus-Teilprojekte» ist eine paritätische Planungsorganisation zuständig.
 

b) F. Hoffmann-La Roche

Die F. Hoffmann-La Roche vollzieht eine verstärkte Nutzungsverdichtung auf ihrem Stammareal, um die in der Stadt auf einzelne Standorte verteilten Arbeitsplätze an einem Standort zu konzentrieren. Die Konzernfunktionen finden im geplanten Roche Hochhaus (Bau 1) Platz, Arbeitsplätze für Produktion und Forschung werden auf dem Nordareal konzentriert. Dadurch werden Funktionsanpassungen im Strassenraum (Grenzacherstrasse) notwendig, die zugleich als Chance zur Aufwertung und Umgestaltung genutzt werden. Die Sicherung der städtebaulichen Qualität erfolgt durch begleitende planerische Massnahmen.

c) Messe Schweiz

Die Messe Schweiz ist daran, das Flächenangebot am heutigen Standort zu konzentrieren, um den gestiegenen Ansprüchen der Aussteller gerecht zu werden. Neben Messehallen, die Platz für mehrstöckige Ausstellungspavillons bieten, wird ein gesellschaftlicher Treffpunkt mit Verweil- und Erlebnismöglichkeiten sowie Gastronomiebetrieben eröffnet, der sowohl die Verbindung der Messe mit dem Kleinbasler Stadtteil verstärkt als auch eine gewisse Zentrumsfunktion für die umliegenden Quartiere übernimmt. Der gute Anschluss an den öffentlichen Verkehr und an Hochleistungsstrassen bleibt bestehen.

d) Rosental-Areal

Der ehemalige Chemiestandort hat sich zum Verwaltungs- und Forschungsstandort gewandelt. Für das Rosental-Areal wird auch weiterhin eine vorwiegend wirtschaftliche Nutzung sowie eine Nutzung durch Forschungsinstitute bzw. durch die Universität angestrebt. Ausgehend von den Entwicklungsabsichten der Syngenta müssen die Möglichkeiten für neue quartier- und firmenverträgliche Bau- und Nutzungsstrukturen geprüft werden. Dabei sind die Kapazitätsrestriktionen durch die bestehenden Verkehrsnetze und mögliche Synergien mit einer Aufwertung und attraktiveren Cityanbindung des Badischen Bahnhofs zu beachten. Es ist zu prüfen, ob sich bei einer weiteren Konzentration und Verdichtung der Firmennutzung in Teilgebieten Chancen für eine teilweise Öffnung des bisher geschlossenen Areals bieten.

e) Chemieareale Klybeck

Für das Gebiet wird weiterhin eine wirtschaftliche Nutzung angestrebt. Aufgrund des Wandels der Life Sciences Wirtschaft und der chemischen Industrie wird für diese Areale mit einer Veränderung der Nutzungsstruktur hin zu wertschöpfungsintensiverer Produktion sowie einem höheren Anteil an Forschungs-, Entwicklungs- und Verwaltungsfunktionen gerechnet. Im Rahmen dieser Entwicklungen kann es zu einer baulichen Verdichtung kommen.

f) Dreispitz

Das Gewerbe- und Industrieareal Dreispitz soll künftig – entsprechend dem Entwurf des Teilrichtplans Dreispitz (2006) und einem städtebaulichen Rahmenvertrag mit der Grundeigentümerin – neben Entwicklungsgebieten auch weiterhin reine Arbeitsgebiete ausweisen. Diese sollen insbesondere gewerblichen Nutzungen Raum bieten und dabei moderat verdichtet werden. Das heute zeitweise abgeschlossene Areal soll geöffnet und es sollen Verbesserungen in den Bereichen Städtebau / Freiraum sowie der Erschliessung – insbesondere durch den öffentlichen Verkehr – erzielt werden. Dabei findet eine Abstimmung mit den Entwicklungsgebieten statt.
Die Umsetzung erfolgt mit nutzungsplanerischen Massnahmen und begleitenden Verfahren, dabei wird die Grundeigentümerin in den Planungsprozess einbezogen.

g) Äusseres St. Johann

haben zu einer eigentlichen Umbruchphase im Gebiet Äusseres St. Johann geführt. Nördlich des Bahnhofs St. Johann (VoltaNord) – zwischen Schlachthofstrasse und Bahnanlage – liegt heute ein teilweise noch extensiv genutztes Gewerbegebiet. Die SBB und Coop strukturieren ihre Areale längerfristig um. Aufgrund der Lage und guten Erschliessung sowohl für den motorisierten Individualverkehr als auch – bedingt durch den Ausbau des Bahnhofs St. Johann – für den ÖV wird dem Standort generell ein gutes Entwicklungspotenzial für z.B. höherwertige Arbeitsnutzungen attestiert. Weiteren Aufschluss über die sinnvolle Nutzungsstruktur des gesamten Gebietes sollen Studien und Testplanungen geben (ab 2012), die unter Einbezug der betroffenen Grundeigentümer erarbeitet werden. So ist u. a. die aktuelle Nutzungs- und Verkehrssituation im Hinblick auf eine gesamthafte Lösung im Rahmen einer kooperativen Planung zu überprüfen. Sowohl eine Verdichtung der Gewerbe- und Arbeitsflächen als auch neue Wohnnutzungen sind denkbar, wobei, um gegenseitige Störungen zu vermeiden, eine klare Nutzungsentflechtung anzustreben ist. Dabei ist zu beachten, dass künftige Ausbauten des Schienennetzes (Anbindung EuroAirport, Regio-S-Bahn Herzstück) nicht beeinträchtigt oder verunmöglicht werden.

h) Wolf

Das Gebiet Wolf wirkt als grosse, weitgehend von Bahn- und Sekundärnutzungen geprägte Barriere zwischen dem St. Alban-Quartier, Gundeldingen und dem Freizeitraum Brüglingen. Um weiterhin langfristig optimale regionale, nationale und internationale Verkehrsanbindungen für Personen und Güter zu ermöglichen, haben bahnspezifische Nutzungen inkl. der Logistikfunktion Vorrang vor anderweitigen Nutzungen und dürfen durch diese nicht beeinträchtigt werden.
Innerhalb des Planungshorizonts des Richtplans ist im Bereich des Güterbahnhofs eine Auslagerung von Logistikfunktionen denkbar, so dass Flächen für neue, v.a. wirtschaftliche Nutzungen frei werden könnten. Vom Dreispitz und der neuen S-Bahn-Station am Walkeweg mit der mittelfristigen Entwicklung zu kombinierten Wohn- und Arbeitsnutzungen im Gebiet östlich des Wolfgottesackers sowie von Entwicklungsprojekten wie CityGate im Norden werden belebende Nachbarschaftseffekte auf das Gebiet ausstrahlen.
Bei sich abzeichnenden Nutzungsänderungen sind neue Nutzungsmöglichkeiten zu klären. Der Schwerpunkt liegt dabei auf hochwertigen wirtschaftlichen Nutzungen. Dies betrifft u. a. die Abstimmung der Betriebsnotwendigkeiten vorhandener Bahn- und Gewerbenutzungen mit den Umfeld-Anforderungen neuer Nutzungen, die frühzeitige Abstimmung zwischen Arealentwicklungen und Verkehrsinfrastrukturplanung sowie die bessere stadträumliche Vernetzung zwischen St. Alban-Quartier, Gundeldingen und dem Freizeitraum Brüglingen. Bei allen Planungen gilt es zu beachten, dass der Wolfgottesacker als sakrales Denkmal verzeichnet ist (Gesamtanlage ohne Grabmäler); dies bedingt die Wahrung des Denkmals gemäss § 19 Abs. 1 des Denkmalschutzgesetzes. Im Gebiet Wolf verläuft die Starkstromleitung Muttenz – Delémont, was bei allen Planungen zu beachten ist.
 

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