S1.3 Schwerpunktgebiet 3Land (Teil Basel-Stadt)

Die Städte Huningue (F), Weil am Rhein (D) und Basel vereinbarten am 25. September 2012, das Basler Hafenareal zusammen mit den angrenzenden Gebieten entlang des Rheins – ein Bereich in der Umgebung des Dreiländerecks zwischen der Dreirosenbrücke und der Palmrainbrücke mit einem Umfang von rund 175 Hektaren – als «3Land» zu entwickeln.

Dieses grenzüberschreitende Stadtbauvorhaben – abgestimmt auf die Weiterführung der bisherigen Hafen- und Stadtentwicklungsstrategie unter Berücksichtigung der nationalen Dimension der Entwicklung des Güterverkehrsumschlagplatzes Basel (s. M 5.1 Hafenanlagen: Rheinhäfen als Güterverkehrsdrehscheibe und M 6.1 Güterverkehrslogistik) – gilt aus Sicht des Kantons Basel-Stadt als ein zukunftsorientiertes siedlungsstrukturelles Schwerpunktgebiet. Dieses soll zu einer urbanen, differenzierten Teilstadt innerhalb der trinationalen Agglomeration entwickelt werden, womit die realen Wachstumschancen der trinationalen Metropole konkrete Gestalt finden (Raum für total 10’000 neue Einwohner/innen und total 10’000 neue Arbeitsplätze bzw. 3'500 neue Einwohner/innen und 3'500 neue Arbeitsplätze in BS). Gleichzeitig wird die Verkehrserschliessung beim öffentlichen und beim Fuss- und Veloverkehr wesentlich verbessert, unter anderem mit einer Tramlinie über eine neue Rheinbrücke.

Durch eine gut strukturierte und gut kommunizierte Entwicklungsplanung und durch eine schrittweise Umsetzung können mit dem Vorhaben sowohl nachhaltige als auch langfristig attraktive, städtebaulich, wirtschaftlich, sozial und ökologisch wegweisende Siedlungsgebiete mit hoher Qualität entwickelt werden (Zusammenhang mit den Gebieten Klybeckquai / Westquai- Insel und Altrheinweg, s. S1.2 Schwerpunkte der Siedlungs- und Stadtentwicklung).

Die gemeinsamen, trinationalen Zielsetzungen für das Projekt «3Land» werden in einer Planungsvereinbarung festgehalten. Sie sind nachstehend unter «Massnahmen / Details. a) Zielsetzungen» aufgeführt.

Voraussetzung für das Erreichen der Ziele ist die Berücksichtigung und Integration

  • der Ansprüche und Bedürfnisse der Gebietskörperschaften (Einhalten der Vereinbarungen),
  • der Umsetzung der Verlagerung von Güter-/Hafenlogistik (optimale Verknüpfung der Verkehrsträger Wasser, Schiene, Strasse, Luft),
  • der städtebaulichen, wirtschaftlichen, insbesondere der hafenwirtschaftlichen und ökologischen Erfordernisse und Entwicklungsabsichten,
  • der Anliegen der betroffenen Bevölkerung, Unternehmungen und Grundeigentümer (Sicherung der Mitwirkung),
  • der sozialen Anliegen (insbesondere auch aus den umliegenden Stadträumen),
  • der Mobilitätsansprüche (Fuss- und Veloverkehr, ÖV, MIV),
  • der Naturschutzanliegen (u.a. ökologische Vernetzung, Trockenstandorte, Ersatz und Ausgleichsfragen),
  • der Anliegen des Umweltschutzes (u. a. Lärmschutz, Lufthygiene, Naturgefahren).

Der auch in Basel-Stadt geltenden Maxime der schweizerischen Raumplanung, die «Verdichtung nach innen» zu fördern, wird – in Abstimmung mit der Hafenwirtschaft – durch schrittweise Inanspruchnahme von zur Konversion geeigneten Gebieten der Hafenareale entsprochen.
 

Strategie / ST
1 bis 11
 

Leitsätze
1, 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 22, 33, 35, 36, 37, 41, 43, 46, 58
 

Planungsgrundsätze / Planungsanweisungen

  1. Der Kanton Basel-Stadt wirkt im Rahmen von Vereinbarungen, die er mit Huningue (F) und Weil am Rhein (D) trifft, und im Hinblick auf das Erfordernis, Raum für Einwohner und Arbeitsplätze zu schaffen, darauf hin, dass das grenzüberschreitende Vorhaben «Schwerpunktgebiet 3Land (Teil Basel-Stadt)» in Form eines zukunftsorientierten Stadtteils der trinationalen Metropole konkretisiert wird.
  2. Die gemeinsamen Zielsetzungen für das Projekt «3Land» werden in einer Vereinbarung festgehalten.
  3. Alle Entwicklungsschritte sind sowohl planerisch (TEB, Agglomerationsprogramm, Richt- und Entwicklungsplanungen aller beteiligten Gebietskörperschaften, Güterverkehrsplanung des Bundesamtes für Verkehr) als auch hinsichtlich der Konkretisierung (Einbindung der Bevölkerung, der Grundeigentümer bzw. der Vertretungsberechtigten, der Vertreter der betroffenen Wirtschaftszweige) sorgfältig abzusichern; sie erfolgen in trinationaler Abstimmung und mit trinationalem Kostenteiler.
  4. Als konzeptionelle Grundlage dient ein grenzüberschreitend abgestimmter «trinationaler Masterplan», der zeitlich und räumlich bedingte Änderungen aufnehmen kann; seine Anpassungen unterliegen der jeweiligen grenzüberschreitenden Abstimmung. Die Inhalte des trinationalen Masterplans fliessen in einen Stadtteilentwicklungsplan ein, der parallel dazu erarbeitet wird. Die Anforderungen seitens des Kantons Basel-Stadt fliessen rückwirkend in den trinationalen Masterplan ein.
     

Massnahmen / Details

Zielsetzungen

Die Planungspartner verfolgen insbesondere folgende Entwicklungsziele unter inhaltlichen Gesichtspunkten:

  1. die Transformation hin zu einer urbanen Teilstadt, wobei die Transformationsprozesse städtebaulich exemplarisch sind,
  2. eine Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt, die Abstimmung mit der Hafenwirtschaft sowie die Berücksichtigung historischer und kultureller Bestände,
  3. die Entwicklung nach innen mit einer gebietsspezifischen baulichen Verdichtung,
  4. eine Öffnung von grossen, monofunktional genutzten, abgeschlossenen Arealen mit einer neuen, engmaschigeren Erschliessungsstruktur,
  5. die Ansiedlung von Wohnen an dafür geeigneten Orten, von höherwertigen Arbeitsnutzungen mit zusätzlichen Arbeitsplätzen sowie von Nutzungen mit regionaler Ausstrahlung und hohem öffentlichen Interesse,
  6. eine vielfältige Durchmischung der neuen Nutzungen mit integrierten Infrastrukturen und Versorgungsmöglichkeiten, so dass keine gesellschaftliche Segregation gegenüber den bestehenden Wohn- und Arbeitsnutzungen entsteht,
  7. die Zugänglichkeit und Durchgängigkeit der Rheinufer,
  8. die Schaffung von mehr Grün- und Freiräumen für die Bevölkerung von hoher Qualität,
  9. die Wahrung wertvoller Naturräume, vorrangig des Rheins als zentralen Freiraum,
  10. bessere grenzüberschreitende Verkehrsverbindungen, so dass das Gebiet – dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechend – sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr und dem Fuss- und Veloverkehr erreichbar ist,
  11. eine Gesamtverkehrsstrategie mit Priorität auf Fuss-, Velo- und öffentlichem Verkehr, welche einer proportionalen Zunahme des motorisierten Individualverkehrs zur baulichen Entwicklung entgegenwirkt,
  12. die umweltschonende Umsetzung des Transformationsprozesses, wobei die Entwicklung dann als umweltschonend eingestuft werden kann, wenn trotz intensiverer Nutzung die Umweltbelastung innerhalb des Perimeters gleichbleibend oder abnehmend ist,
  13. einen Gesamtenergieverbrauch, der den Verbrauch extern bezogener Energie soweit möglich minimiert,
  14. die Umsetzung der Planung unter für alle Parteien wirtschaftlich tragbaren Rahmenbedingungen, wobei die Finanzierung der Transformation vor allem durch neue Nutzungen erfolgen soll.

Zudem verfolgen die Planungspartner folgende Entwicklungsziele unter prozessualen Gesichtspunkten:

  1. die Gestaltung und das Verständnis der Entwicklung als langfristigen Transformationsprozess,
  2. eine Planung, die partnerschaftlich und grenzüberschreitend erfolgt. Sie stellt einen Prozess des gemeinsamen Lernens, Kommunizierens und Kooperierens dar,
  3. der gegenseitige Einbezug bei der Umsetzung in jeweilige länderspezifische Planungsinstrumente,
  4. die gegenseitige Information zu allen weiteren betroffenen Projekten in räumlichem oder funktionalem Zusammenhang sowie die gegenseitige Abstimmung beim Bedarf einer inhaltlichen oder prozessualen Koordination,
  5. die Sicherung der Finanzierung für die öffentlichen Infrastrukturen und deren Betrieb durch die jeweils zuständigen Projektpartner,
  6. die nutzungsplanerische Sicherung der Zielsetzungen und die Sicherung der Interessen der öffentlichen Hand bei der Realisation von Projekten (z. B. Public Private Partnership),
  7. den Einbezug aller relevanter Interessen und der Öffentlichkeit – insbesondere der umliegenden Quartiere – in geeigneter Form,
  8. die gemeinsame Kommunikation nach aussen.

Planungen und Entwicklungen
 

Huningue
Der Süden von Huningue hat Potenzial für ein neues Quartier für Arbeiten und Wohnen auf dem Gebiet von bestehenden Produktionsstätten und Brachen. In Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern soll dieses Potenzial definiert und in Etappen aktiviert werden. Die Stadt Huningue möchte im Norden – auf Gebiet des bestehenden Hafens – ein neues Eco-Quartier direkt am Rhein entwickeln. Die Planungen des «trinationalen Masterplans» werden von Huningue durch Instrumente auf kommunaler und regionaler Ebene umgesetzt: Der SCOT (Schéma de Cohérence Territoriale) integriert die vorgesehene Brücke über den Rhein, während die Ergebnisse des Masterplans in der städtischen Nutzungsplanung PLU (Plan local d'urbanisme) übernommen werden sollen.

Weil am Rhein
Mit dem Projekt 3Land will die Stadt Weil am Rhein im Stadtteil Friedlingen «Weil an den Rhein» bringen, indem der bestehende Hafen- und Gewerbestandort schrittweise nachverdichtet, urbanisiert und attraktiver gestaltet wird. Die Stadt erarbeitet auf der Basis des zu erarbeitenden Masterplans einen sogenannten «Rahmenplan» unter Beteiligung von Politik und Bürgerschaft, der Eigentümer und der Hafenwirtschaft.

Basel-Stadt
Im Zentrum der baselstädtischen Planung steht die zukünftige Nutzung von Klybeckquai und Westquai-Insel im Sinne der 2010 vorgestellten Hafen- und Stadtentwicklung. Die Ergebnisse des trinationalen Masterplans fliessen in einen Stadtteilrichtplan (oder in ein Stadtteilentwicklungskonzept) Basel-Nord ein, der oder das der Mitwirkung durch die Bevölkerung unterliegt (Planauflage).

Voraussetzung für die Umsetzung ist die Realisierung folgender drei Vorhaben:

  1. Verlagerung der Containerumschlagsnutzung am Westquai in einen neuen Containerterminal auf dem Areal des ehemaligen Badischen Rangierbahnhofs. Für die Trimodalität des Terminals wird ein neues Hafenbecken an das bestehende Hafenbecken 2 angeschlossen.
  2. Die Verlagerung der Recyclinglogistik und weiterer Hafennutzungen vom Westquai an andere Standorte.
  3. Die angestrebte vollständige Verlagerung des Hafenbahnhofs (Anlagen südlich der Wiese) zum ehemaligen Badischen Rangierbahnhof unter Gewährleistung einer bahnbetrieblich effizienten Erschliessung der Hafenkerngebiete am Hafenbecken 2 und am Ostquai. Dabei ist grundsätzlich festzuhalten, dass die Hafenwirtschaft auch in Zukunft auf eine voll funktionsfähige Hafenbahn-Anlage angewiesen sein wird. Neben Optionen zur Reduktion des Hafenbahnhofs und der mittelfristigen Teilverlagerung liegt eine erste Studie vor, die die Möglichkeit zur vollständigen Verlegung des Hafenbahnhofs aufzeigt. Die Art der Entwicklung der Klybeckinsel für Wohn- und Gewerbezwecke wird damit auch davon abhängen, ob und, wenn ja, in welchem Ausmass die Hafenbahn-Funktionen verlegt werden können. [s. S1.2 Schwerpunkte der Siedlungs- und Stadtentwicklung, c2) und c5)]
     

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