M1.2 Tram

Mit der Aufnahme einer neuen Bestimmung ins Umweltschutzgesetz hat die Bevölkerung das gesetzlich festgehaltene Ziel, einen grösstmöglichen Teil des Verkehrs mit umweltfreundlichen und stadtgerechten Verkehrsmitteln abzuwickeln, bekräftigt und quantitativ konkretisiert (Reduktion des MIV um 10%, §13 USG). Um dieses Ziel erreichen und den Modal-Split zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs erhöhen zu können, ist auch ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs notwendig. Der Grosse Rat trug diesem Volksentscheid Rechnung, indem er als Gegenvorschlag zur Traminitiative den Ausbau des Tramstreckennetzes und der Infrastruktur für die Regio-S-Bahn gesetzlich verankerte. Zusammen sollen Regio-S-Bahn und Tram das starke Rückgrat der ÖV-Erschliessung in der Agglomeration Basel bilden. Beide Schienennetze sind so aufeinander abzustimmen, dass sie sich ergänzen und zu einem optimal funktionierenden Gesamtsystem zusammenwachsen. Für die Verbesserung des Angebots sind Infrastrukturausbauten zwingend notwendig.

Weiter ist zu prüfen, ob im Kanton Basel-Landschaft dichte, arbeitsplatzreiche Gebiete mit einer Tramstrecke deutlich besser erschlossen werden könnten, z.B. durch Verlängerung der Linie 8 in Richtung Allschwil zur Fabrikstrasse (Allschwil-Letten) und ggf. später weiter zum Gewerbegebiet Bachgraben, sowie durch Erschliessung des Polyfelds Muttenz.

Tramnetz 2020 - Neue Strecken
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Neue Tramstrecken müssen sich sinnvoll in das bestehende Tramnetz integrieren lassen. Im gemeinsam mit dem Kanton Basel-Landschaft durchgeführten Projekt «Tramnetz Region Basel 2020» wurden deshalb der Ausbau des Streckennetzes und Änderungen am Tramliniennetz integral entwickelt. Das neue Tramliniennetz verfolgt die Philosophie, die Tramlinien stärker auf die S-Bahn auszurichten, indem die Tramlinien am Stadtrand konsequent mit den S-Bahn-Stationen verknüpft werden. Zusätzlich werden im Stadtinnern Tram-Tram-Knoten ausgebildet. Mit neuen Tramstrecken werden Entwicklungsgebiete wie Allschwil-Letten, Stücki, Dreispitz usw. erschlossen. Die künftigen Tramstrecken im Claragraben und im Petersgraben ermöglichen eine Auffächerung der Tramlinien und somit eine Entlastung der Innenstadtachse Barfüsserplatz – Schifflände – Claraplatz von Tramverkehr. Durch eine geeignete Linienführung am Centralbahnplatz wird dort eine übersichtlichere und fussgängerfreundlichere Situation erzielt. Das Tramstreckennetz kann auch über den Zustand 2020 hinaus weiterentwickelt werden, ohne dass die Linienführung im Zentrum angepasst werden muss.

Der Grosse Rat hat im Rahmen seiner Behandlung der Traminitiative einen Streckenplan beschlossen, der nebst den neuen Tramstrecken aus Tramnetz 2020 zusätzlich neue Tramstrecken in der Feldbergstrasse, über die Johanniterbrücke und über das Heuwaage-Viadukt enthält (vgl. Streckenplan am Schluss dieses Objektblatts). Gleichzeitig hat der Grosse Rat als Gegenvorschlag zur Traminitiative den Tramstreckenausbau nicht nur gesetzlich verankert, sondern mit der Rahmenausgabenbewilligung für zehn Jahre über CHF 350 Mio. auch eine erste Finanzierungstranche gesichert.

Neben dem Streckenausbau ist auch der Leistungsfähigkeit und der Kundenfreundlichkeit von wichtigen Knoten Beachtung zu schenken (z.B. Bahnhof SBB bis Aeschenplatz und Doppelspur Heuwaage bis Zoo). Bei einem dichter werdenden Liniennetz sind zunehmend auch Möglichkeiten für Umleitungen zu gewährleisten.

Der Verkehrsfluss des öffentlichen Verkehrs ist zu verbessern. Aus diesem Grund ist eine Entlastung der Innenstadtachse Barfüsserplatz – Schifflände – Claraplatz von Tramverkehr mittels neuer Tramstrecken vorgesehen.
 

Strategie / ST
6, 8, und 11

Leitsätze
1, 40, 43 und 44

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Planungsgrundsätze / Planungsanweisungen

  1. Das Tramstreckennetz wird ausgebaut. Die Planung der neuen Tramstrecken ist gemäss dem vom Grossen Rat beschlossenen Streckenplan voranzutreiben. Bei allen Planungsarbeiten sollte die Trassesicherung frühzeitig erfolgen.
  2. Mit der Erweiterung der Traminfrastruktur soll die Netzwirkung verbessert oder sollen wichtige Siedlungs- und Arbeitsplatzgebiete ans Tramnetz angeschlossen werden. Speziell zu berücksichtigen sind dabei die Entwicklungsgebiete. Der Ausbau von grenzüberschreitenden Tramlinien ist zu fördern.
  3. Für neue Tramstrecken und verbesserte Linienführungen sind sowohl Potenzialstudien durchzuführen als auch die bauliche und betriebliche Machbarkeit zu prüfen.
  4. Behinderungen des öffentlichen Verkehrs durch den motorisierten Individualverkehr sind zu minimieren.
  5. Der Verkehrsfluss des öffentlichen Verkehrs vor allem in der Innenstadt ist zu verbessern. 
     

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  Örtliche Festlegungen (in Richtplankarte) Koordinationsstand
a1) Verlängerung Tramlinie 3 nach Saint-Louis Festsetzung
a2) Verlängerung Tramlinie 11 nach Saint-Louis Zwischenergebnis
a3) Tramverlängerung Allschwil-Letten Vororientierung
b1) Neue Tramverbindung Dreispitz: Abschnitt Dreispitz – Wien-Strasse – Reinacherstrasse bis Motorfahrzeug-Prüfstation beider Basel
Zwischenergebnis
b2) Neue Tramverbindung Dreispitz: Abschnitt Gundeli Ost – S-Bahn-Haltestelle Dreispitz Vororientierung
c) Tramverlängerung Stücki – Kleinhüningen Zwischenergebnis
d) Tram Roche Vororientierung
e) Tramtangente Kleinhüningen – Huningue Vororientierung
f) Tramverbindung Dreispitz – St. Jakob (– Polyfeld Muttenz) Vororientierung
g) Tram Spitalstrasse (Verlegung aus St. Johanns-Vorstadt) Vororientierung
h) Neue Tramverbindung Claragraben Zwischenergebnis
i) Neue Tramverbindung Petersgraben Zwischenergebnis
j) ÖV-Direktverbindung Leimental – Bahnhof Basel SBB (Margarethenstich) Festsetzung
k) Tramknoten Schützenhaus Vororientierung
l) Tramstrecke Bhf. SBB – Heuwaageviadukt – Auf der Lyss Vororientierung
m) Tramstrecke Johanniterbrücke – Riehenring Vororientierung

Massnahmen / Details zu den örtlichen Festlegungen

a1 und a2) Verlängerung Tramlinien 3 und 11 nach Saint-Louis

Der Modal Split ist grenzüberschreitend wesentlich tiefer als zwischen der Stadt und den Agglomerationsgemeinden in der Schweiz, was teilweise mit dem schlechteren ÖV-Angebot zusammenhängt. Mit neuen Tramlinien in die dichtbesiedelten und nahen Städte Bourgfelden und Saint-Louis sollen attraktive ÖV-Verbindungen geschaffen werden, welche zu einer deutlichen Erhöhung der ÖV-Fahrten führen werden.


a3) Tramverlängerung Allschwil-Letten

Mit der Verlängerung der Tramlinie 8 wird das Einkaufszentrum Paradies und das neue Wohnquartier Allschwil-Letten an das Tramnetz angebunden. Diese Tramstrecke kann später weiter verlängert werden. Die Federführung für dieses Vorhaben liegt beim Kanton Basel- Landschaft.


b1) Neue Tramverbindung Dreispitz:
Abschnitt Dreispitz –Wien-Strasse – Reinacherstrasse bis Motorfahrzeug-Prüfstation beider Basel


b2) Neue Tramverbindung Dreispitz:
Abschnitt Gundeli Ost – S-Bahn-Haltestelle Dreispitz
 

Der Dreispitz, der im Sinne einer Innenentwicklung wesentlich nachverdichtet werden soll, wird derzeit nur am Rande von den Tramlinien 10 und 11 erschlossen. Zur besseren Erschliessung des Dreispitz mit dem öffentlichem Verkehr, der Voraussetzung für einen hohen Anteil nicht motorisierten Individualverkehrs ist, soll der Dreispitz besser ins Tramnetz eingebunden und zugleich an das Quartier Gundeldingen angebunden werden. Im Bereich von Thiersteinerallee bis zur Haltestelle Dreispitz bzw. bis zum nördlichen Beginn der Wien- Strasse ist die Linienführung in einem Suchraum zwischen Güterstrasse und der Gundeldingerstrasse / des Leimgrubenwegs noch zu finden. Vom Bereich der S-Bahn- Haltestelle Dreispitz soll eine Linie über die Wien-Strasse und entlang der Reinachstrasse bis zum Kreisel bei der Motorfahrzeugprüfstation geführt werden und damit zwei Entwicklungsgebiete des Dreispitz erschliessen. Diese neue Tramstrecke stellt eine wichtige Massnahme dar, um eine ÖV-Erschliessung entsprechend der Entwicklungskonzeption und dem Gesamtverkehrskonzept Dreispitz zu schaffen. Das Vorhaben wird gemeinsam mit dem Kanton Basel- Landschaft bearbeitet. Die neue Strecke zwischen dem Gundelingen Ost und der S-Bahn-Haltestelle Dreispitz dient zudem der Weiterführung einer Linie aus dem Gundeldinger Quartier zum Gebiet St. Jakob (vgl. g).


c) Tramverlängerung Stücki – Kleinhüningen

Mit dem neuen Einkaufszentrum «Stücki» und weiteren Neu- bzw. Umnutzungen wird es erforderlich, die ÖV-Erschliessung im Raum des Stücki-Areals zu verbessern, indem das Tram vom Riehenring via Hochbergerstrasse bis nach Kleinhüningen weitergeführt wird.


d) Tram Roche

Zur besseren Anbindung des Roche-Areals und des Wettstein-Quartiers an den öffentlichen Verkehr soll eine neue Tramstrecke vom Wettsteinplatz durch die Grenzacherstrasse zur Roche und weiter über die Schwarzwaldstrasse zum Badischen Bahnhof gebaut werden.


e) Tramtangente Kleinhüningen – Huningue
 

Die Hafen- und Stadtentwicklung im Gebiet Klybeck / Kleinhüningen sowie in den grenznahen Gebieten von Huningue und Weil am Rhein (Projekt «3Land») wird starke Auswirkungen auf den Verkehr in Basel-Nord haben. Der neu entstehende Wohn- und Arbeitsraum soll durch eine neue Tramstrecke vom Hochbergerplatz auf die Westquai-Insel an den öffentlichen Verkehr angeschlossen werden. In Abhängigkeit von der Siedlungsdynamik auf französischer Seite im Bereich des Gebietes «3Land» ist später die Verlängerung der Strecke mit einer Brücke über den Rhein nach Huningue und weiter zu prüfen; zu untersuchen ist dabei auch eine Nord-Süd-Verbindung auf der zukünftigen Rheininsel mit südlicher Anknüpfung an die Klybeckstrasse.

f) Tramverbindung Dreispitz – St. Jakob (– Polyfeld Muttenz)

Eine neue Tramstrecke von der Tramhaltestelle Dreispitz im Korridor Walkeweg / Brüglingerstrasse zur Haltestelle St. Jakob ermöglicht das Anbieten einer zusätzlichen Linie im Quartier Gundeldingen mit neuer Anbindung nach Osten und stellt gleichzeitig eine Querverbindung zwischen den ÖV-Einfallsachsen aus dem Birseck und dem Ergolz- / Fricktal dar. Weiter kann eine direkte Fahrmöglichkeit vom Sport-, Event- und Erholungsraum St. Jakob an den Bahnhof SBB geschaffen werden. In Abhängigkeit der Entwicklungen im Bahnhofsgebiet Muttenz (Polyfeld) kann die neue Strecke später via Polyfeld an den Bahnhof Muttenz verlängert werden.


g) Tram Spitalstrasse (Verlegung aus St. Johanns-Vorstadt)

Die heutige Tramstrecke durch die St. Johanns-Vorstadt soll durch eine neue Tramstrecke vom Totentanz via Spitalstrasse zum St. Johanns-Tor ersetzt werden. Sie dient der besseren Erschliessung des Entwicklungsgebiets Uni-Campus / Spitäler mit Tram und ermöglicht bessere Umsteigebeziehungen zwischen Tram und Bus. Ebenso ermöglicht sie die Aufwertung der beengten St. Johanns-Vorstadt.


h) Neue Tramverbindung Claragraben

Mit der Tramstrecke Claragraben, die den Claraplatz mit dem Wettsteinplatz verbindet, wird die Grossbasler Innenstadt von Tramverkehr entlastet und der Raum Kleinbasel Nord (Klybeck, Matthäus, Clara) besser und schneller mit dem Grossbasel (insbesondere mit dem Bahnhof SBB und dem Aeschenplatz) erreichbar. Diese neue Strecke ermöglicht auch Umleitungen zur Umfahrung des Innenstadtkerns im Falle von Störungen.


i) Neue Tramverbindung Petersgraben

Diese Tramstrecke von der Universität zum Totentanz durch den Petersgraben (Eingang zum Kantonsspital) dient der besseren Erschliessung des Raums Universität / Spitäler und der Entlastung der Innenstadt. Sie bietet zudem im Störungsfall bisher fehlende Umleitungsmöglichkeiten an. (Diese Verbindung bildet mit den Massnahmen l) und m) die Voraussetzung für die künftige Tramlinie 30.)


j) ÖV-Direktverbindung Leimental – Bahnhof SBB (Margarethenstich)

Zur schnelleren Anbindung des Leimentals an den Bahnhofl SBB wird die Verbindung von der Haltestelle Dorenbach der Tramlinie 10 über den Margarethenstich zur Haltestelle Margarethen (Linie 2) geschaffen. Dieses Vorhaben ist mit dem Nationalstrassenvorhaben ABAC, Autobahnanschluss Basel-City, Gellertdreieck Bahnhof SBB – Birsig (Gundeldinger- Tunnel) koordiniert.


k) Tramknoten Schützenhaus

Die Haltestelle Schützenhaus – die bereits heute von mehreren Tram- und Buslinien bedient wird – soll als Umsteigeknoten gestärkt werden. Damit auch die heutige Tramlinie 6 an diesen Knoten geführt werden kann, ist eine neue Tramstrecke in der Schützenmattstrasse im Abschnitt Austrasse – Steinenring vorzusehen. Die Massnahme steht in direktem Zusammenhang mit den geplanten Veränderungen der Linienführung gemäss Tramnetz 2020.


l) Tramstrecke Bahnhof SBB – Heuwaageviadukt – Auf der Lyss

Die heutige Buslinie 30 zwischen Bahnhof SBB und Badischem Bahnhof via Spitäler und Johanniterbrücke soll auf Trambetrieb umgestellt werden. Die Auslastung der Linie ist bereits heute hoch. Die Spitäler und Universitätsinstitute im Stadtzentrum werden dadurch ans Tramnetz angeschlossen. Ab der Lyss wird die Tramlinie durch den Petersgraben weitergeführt.


m) Tramstrecke Johanniterbrücke – Riehenring

Die heutige Buslinie 30 zwischen Bahnhof SBB und Badischem Bahnhof via Spitäler und Johanniterbrücke soll auf Trambetrieb umgestellt werden. Die Auslastung der Linie ist bereits heute hoch. Die Spitäler und Universitätsinstitute im Stadtzentrum werden dadurch ans Tramnetz angeschlossen. Ab dem Riehenring verkehrt die Tramlinie zum Badischen Bahnhof. Die genaue Streckenführung ist offen und über bestehende Strecken eingeschränkt möglich (vgl. i) und l)).
 

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